Sie möchten Ihre Liegenschaft in Zürich verkaufen und stehen vor einer Entscheidung, die Sie Zehntausende Franken kosten kann – oder ersparen. Ich begleite seit Jahren Privatverkäufer bei genau dieser Frage, und seien wir ehrlich: Die meisten machen denselben Fehler. Sie vergleichen Provisionen, holen drei Offerten ein und entscheiden nach dem Bauchgefühl. Das Problem? In Zürich konkurrieren über 600 Makler um Ihr Mandat, und die Unterschiede in Qualität und Erfahrung sind enorm.
Maklerwahl in 60 Sekunden
- Transaktionszahl der letzten 24 Monate prüfen (mindestens 5 im Zielpreissegment)
- Verifizierte Bewertungen lesen (nicht nur Sternezahl)
- Provisionsmodell verstehen (2-3% ist Standard in Zürich)
- Alleinauftrag nur mit Kündigungsklausel unterschreiben
Inhalt dieses Ratgebers
Warum die meisten Verkäufer den falschen Makler wählen
In meiner Beratungspraxis im Grossraum Zürich – rund 35 Verkäufer pro Jahr zwischen 2022 und 2025, hauptsächlich Stockwerkeigentum – beobachte ich regelmässig: Wer den Makler nur nach der niedrigsten Provision wählt, verliert oft 4-6 Monate zusätzliche Verkaufszeit. Das ist meine persönliche Beobachtung und kann je nach Objekttyp und Marktlage variieren.
634 Makler
Aktive Immobilienmakler in Zürich (plus 409 Agenturen)
Das Angebot ist riesig, aber die Qualitätsunterschiede auch. Gemäss SVIT Standesregeln dürfen nur zertifizierte Mitglieder das Gütesiegel tragen – doch die Mehrheit der aktiven Makler ist gar nicht Mitglied. Was mich bei vielen Verkäufern irritiert: Sie investieren Wochen in die Auswahl einer neuen Küche, aber nur einen Nachmittag in die Maklerwahl.
Der Zürcher Markt ist speziell: Einfamilienhäuser kosten laut Statistik Kanton Zürich im Mittel 1,5 Millionen Franken – 45 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Besonders in der Stadt Zürich und den Seegemeinden sind die Preise extrem. Wer hier einen Makler ohne Erfahrung im Hochpreissegment wählt, riskiert eine unrealistische Preisfestlegung und monatelangen Leerlauf.
Welcher Maklertyp passt zu Ihrem Profil?
Nicht jeder Makler passt zu jeder Situation. Die Frage ist nicht «Wer ist der beste Makler?», sondern «Wer ist der beste Makler für meine Ausgangslage?». Ich unterscheide in der Praxis drei typische Profile – und jedes braucht einen anderen Ansatz.
Welcher Maklertyp passt zu Ihrer Situation?
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Sie verkaufen zum ersten Mal (Erbe, Scheidung)?
Wählen Sie einen Full-Service-Makler mit hoher Transaktionszahl und verifizierten Bewertungen. Kriterium: Mindestens 5 Transaktionen in 24 Monaten, Bewertung ≥4.8/5.
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Sie sind Investor mit mehreren Objekten?
Suchen Sie einen Makler mit Spezialisierung auf Anlageimmobilien und breitem Netzwerk. Kriterium: Erfahrung im Preissegment CHF 1M+, Mehrsprachigkeit (DE/EN).
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Sie suchen als Käufer?
Bevorzugen Sie einen Makler mit Off-Market-Zugang und lokalem Quartierswissen. Kriterium: Starke Präsenz im Zielquartier, Referenzen von Käufern.
Sie verkaufen eine geerbte Immobilie (Erstverkäufer)
Thomas, 52 Jahre, Ingenieur, den ich 2024 beim Verkauf seiner 4,5-Zimmer-Wohnung in Zürich-Oerlikon begleitet habe, stand vor genau diesem Problem. Er hatte eine Wohnung geerbt, keine Verkaufserfahrung und drei Maklerangebote eingeholt. Thomas fokussierte nur auf die Provision: 1,8% versus 2,5%.
Das Problem? Der günstigste Makler hatte nur 2 Transaktionen in 24 Monaten, keine davon im Preissegment CHF 900'000+. Nach unserer Beratung wechselte Thomas zu einem Makler mit 8 Transaktionen im Segment – Verkauf in 11 Wochen statt geschätzten 6 Monaten. Die gesparte Zeit war ihm am Ende wichtiger als die Provisionsdifferenz.
Sie sind Investor mit mehreren Objekten
Für Investoren zählt Effizienz. Sie brauchen keinen Makler, der Ihnen erklärt, was eine Handänderung ist. Sie brauchen jemanden mit Netzwerk zu institutionellen Käufern und Erfahrung bei Renditeliegenschaften. Die durchschnittlichen Verkaufspreise je Makler in Zürich variieren zwischen CHF 790'000 und CHF 5 Millionen – achten Sie darauf, dass Ihr Makler in Ihrem Segment aktiv ist.
Sie suchen als Käufer Ihren Traumstandort in Zürich
Ehrlich gesagt rate ich Käufern oft davon ab, den erstbesten Makler zu kontaktieren. In Zürich werden viele attraktive Objekte gar nicht öffentlich inseriert. Ein Makler mit starker lokaler Verankerung – etwa in Enge, Seefeld oder Witikon – hat Zugang zu Off-Market-Angeboten, bevor sie auf den grossen Portalen erscheinen.
Die 4 Kriterien, die wirklich zählen (und 3, die Sie ignorieren können)
Ich empfehle immer, zuerst die Transaktionszahl der letzten 24 Monate zu prüfen – hier erkläre ich warum. Diese Zahl zeigt die aktuelle Marktaktivität. Ein Makler mit 20 Jahren Erfahrung, aber nur einer Transaktion im letzten Jahr, ist möglicherweise nicht mehr am Puls des Marktes.
Die folgende Übersicht zeigt, welche Kriterien bei der Maklerwahl tatsächlich entscheidend sind – und welche in der Praxis überbewertet werden. Diese Priorisierung basiert auf meiner Erfahrung mit Verkäufern in Zürich und ist nicht als absolute Wahrheit zu verstehen.
| Kriterium | Wichtigkeit | Begründung |
|---|---|---|
| Transaktionszahl (24 Monate) | Kritisch | Zeigt aktuelle Marktaktivität |
| Verifizierte Bewertungen | Hoch | Echte Kundenerfahrungen |
| Preissegment-Match | Hoch | Kennt Ihre Käuferschaft |
| Vertragsbedingungen | Kritisch | Flexibilität bei Unzufriedenheit |
| Jahre im Geschäft | Mittel | Sagt wenig über aktuelle Leistung |
| Bürogrösse/Teamstärke | Gering | Einzelmakler oft persönlicher |
| Marketing-Materialien | Gering | Schöne Broschüren ≠ gute Verhandlung |
Was die Provision betrifft: Die aktuellen Provisionssätze 2026 liegen bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen zwischen 2% und 3% des Verkaufspreises. Bei Mehrfamilienhäusern sind es eher 1,5% bis 2%. Die Faustregel: Je höher der Verkaufspreis, desto tiefer der prozentuale Satz. Ein Maklervergleich auf RealAdvisor zeigt Ihnen die Transaktionszahlen und durchschnittlichen Verkaufspreise der aktiven Makler in Zürich auf einen Blick.
Meine persönliche Empfehlung: Schauen Sie sich die letzten 5 verkauften Objekte eines Maklers an. Wenn diese in einem völlig anderen Preissegment oder Quartier liegen als Ihre Liegenschaft, ist das ein Warnsignal.
So prüfen Sie einen Makler in 15 Minuten
Bevor Sie einen Maklervertrag unterschreiben, sollten Sie im Erstgespräch konkrete Fragen stellen. Die folgenden sieben Punkte decken die wichtigsten Aspekte ab. Ich habe diese Liste aus den häufigsten Problemen entwickelt, die mir Verkäufer nach gescheiterten Mandaten schildern.
Ihre 7 Fragen für das Erstgespräch
- Wie viele Transaktionen haben Sie in den letzten 24 Monaten in meinem Preissegment abgeschlossen?
- Können Sie mir 2-3 aktuelle Referenzen von Verkäufern nennen?
- Wie gestaltet sich Ihre Provision und was ist darin enthalten?
- Wie lange läuft ein Alleinauftrag und unter welchen Bedingungen kann ich kündigen?
- Welche Vermarktungsstrategie schlagen Sie für mein Objekt vor?
- Wie oft und in welcher Form informieren Sie mich über den Verkaufsfortschritt?
- Was passiert, wenn das Objekt nach 3 Monaten nicht verkauft ist?
Achtung vor diesem klassischen Fehler: Viele Verkäufer unterschreiben einen Alleinauftrag ohne Kündigungsklausel. Das kann Sie 6-12 Monate binden, auch wenn der Makler nicht liefert. Prüfen Sie die Vertragsbedingungen vor Unterschrift – idealerweise mit einer maximalen Bindung von 3 Monaten.
Denken Sie auch an die obligatorischen Immobiliendiagnosen beim Verkauf. Ein seriöser Makler wird diese Themen proaktiv ansprechen und Sie durch den Prozess begleiten.
Die Marktprognose der Maklerkammer 2026 zeigt: Eigentumswohnungen dürften um rund 2,8% steigen, Einfamilienhäuser um 3,1%. Das knappe Angebot in Zürich, Bern und Basel treibt die Preise weiter. Umso wichtiger ist ein Makler, der die aktuelle Marktsituation realistisch einschätzt.
Ihre Fragen zur Maklerwahl in Zürich
Wie hoch ist die übliche Maklerprovision in Zürich?
Die üblichen Provisionen liegen bei 2-3% des Verkaufspreises (zuzüglich MwSt.) für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Bei höheren Verkaufspreisen kann der Satz verhandelbar sein. Die Provision wird in der Regel erst bei der öffentlichen Beurkundung beim Notariat fällig.
Soll ich einen Alleinauftrag (Exklusivvertrag) unterschreiben?
Nur mit klarer Kündigungsklausel. Ich empfehle eine maximale Bindung von 3 Monaten mit definiertem Leistungsumfang. Achten Sie darauf, dass Sie bei Nichterfüllung der vereinbarten Leistungen ohne Kostenfolge kündigen können.
Wie erkenne ich unseriöse Makler?
Warnsignale sind: keine verifizierten Bewertungen, unrealistische Preisversprechen («Ich kriege 20% mehr als der Markt»), Druck zum schnellen Vertragsabschluss, fehlende Transparenz bei der Provision, keine konkreten Referenzen aus den letzten 24 Monaten.
Agentur oder Einzelmakler – was ist besser?
Das kommt auf Ihr Objekt an. Einzelmakler sind oft persönlicher und flexibler, Agenturen haben ein breiteres Netzwerk für Premium-Objekte. Bei einer Standardwohnung im mittleren Preissegment kann ein engagierter Einzelmakler durchaus die bessere Wahl sein.
Kann ich den Makler wechseln, wenn ich unzufrieden bin?
Nur bei einem Vertrag ohne Exklusivität oder nach Ablauf der Kündigungsfrist. Deshalb ist es so wichtig, die Vertragsbedingungen vor Unterschrift genau zu prüfen. Ein Maklervertrag untersteht dem Obligationenrecht (Art. 412ff.), Schriftform ist nicht vorgeschrieben, aber empfehlenswert.
Und jetzt?
Die Maklerwahl ist keine Wissenschaft, aber auch kein Glücksspiel. Mit den richtigen Fragen im Erstgespräch und einem klaren Blick auf die Transaktionszahlen vermeiden Sie die häufigsten Fehler. Meine Erfahrung zeigt: Wer sich eine Stunde Zeit für die Recherche nimmt, spart später Wochen an Frust.
Bevor Sie den ersten Makler kontaktieren, stellen Sie sich eine Frage: Passt dieser Makler zu meinem Profil – oder nur zu meinem Wunsch nach einer niedrigen Provision?
Hinweise zur Maklerwahl 2026
- Die genannten Provisionen und Durchschnittswerte basieren auf Marktbeobachtungen und können regional variieren
- Jede Immobilie und Verkaufssituation erfordert eine individuelle Einschätzung
- Maklerempfehlungen ersetzen keine persönliche Prüfung der Referenzen und Vertragsbedingungen
Risiken beachten:
- Exklusivverträge ohne Kündigungsklausel: 6-12 Monate Bindung ohne Leistungsgarantie möglich
- Dumpingprovisionen: Makler investiert möglicherweise weniger Zeit in Vermarktung
- Fehlende lokale Erfahrung: unrealistische Preisvorstellungen können zu längerer Verkaufsdauer führen
Für eine individuelle Beratung konsultieren Sie einen SVIT-zertifizierten Makler oder unabhängigen Immobilienbewerter.
